«Das Zeug will raus!»
«So Damn' Cool»: Philipp Fankhauser lässt auf einer ungeschliffenen Live-CD Bluesklassiker aufleben.
Verdammt cool: In einer Zeit voll durchgestylter Hochglanz-Musikproduktionen kommt der Thuner Blueser Philipp Fankhauser mit einer CD daher, die sämtlichen Gesetzen des Business zu widersprechen scheint. Ein schlichtes Live-Album namens «Live - So Damn' Cool», weil dies für den 39-Jährigen «der beste Weg ist, den Blues in seiner Echtheit und mit seinen Emotionen einzufangen». Ein Werk, das roh und ungeschliffen klingt - und zwar ganz bewusst: «Es soll Low-Fi sein, fast wie ein Bootleg-Album. Im Studio haben wir keine ‹Poliermittel› verwendet», betont Fankhauser. Im Vordergrund stehen die Inhalte, nicht die Klangqualität.
Zurück zu den Wurzeln
Verdammt cool: Fankhauser und seine bewährte Blues-Band mit dem Drummer Tosho Yakkatokuo und dem Bassisten Richard Cousins spielen eine geballte Ladung Klassiker. Vom beschwingten Auftakt mit dem Gute-Laune-Blues «I Feel So Good» bis zum bitteren Ende mit Hank Williams' tieftrauriger Blues-Ballade «I'm So Lonesome I Could Cry». «In den letzten acht Jahren bin ich etwas ratlos durch die Blues-Stile gedümpelt», erinnert sich Fankhauser. «Es war Toshos Idee, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich habe genussvoll all meine Jugendsongs von Muddy Waters, Lightnin' Hopkins oder Big Bill Broonzy wieder ausgepackt. » Platz für zwei Eigenkompositionen bleibt aber trotzdem.
Verdammt cool: Das ist für Philipp Fankhauser vor allem das Leben. «Man muss sich mal bewusst werden, wie gut wir es in der Schweiz haben. Wenn ich auf mich schaue: Ich habe die Möglichkeit von und mit meiner Musik zu leben, praktisch keine Kompromisse eingehen zu müssen. Das ist doch extrem cool. » Wo findet er denn unter diesen Umständen und ausgerechnet im beschaulichen Thun die Inspiration für seine «dunkle» Musik? «Ich empfinde meine Musik nicht als dunkel, sondern als intensiv. Ich lasse mich vom täglichen Leben inspirieren, das ist geografisch völlig unabhängig. Ausserdem ist das Zeug einfach in mir drin und will raus!»
Falsch ist nicht falsch
Und wie es raus will: mal leichtfüssig, mal fein, mal peppig, mal bleischwer kommen die Songs daher, getragen von Fankhausers stets angerauter Stimme. Nach dem zweiten Stück gibt der Thuner Blueser in breitem Berndeutsch zum Besten, wie er «Baby Please Don't Go» immer falsch spiele. «Macht nichts», habe dazu Richard Cousins gesagt. Das sei bei den meisten, mit denen er zusammengespielt habe, nicht anders gewesen: «John Lee Hooker was never right!» Was zeigt, dass falsch eben nicht immer falsch ist. «Live - So Damn' Cool» ist eine CD wie ein Stück Leben. Mit Ecken und Kanten. Rau, gutgelaunt, traurig, intim. Und manchmal ganz einfach verdammt cool.
Michael Gurtner www.bernerzeitung.ch
