Vorwärts zu den Wurzeln
Philipp Fankhauser überzeugt mit seinem wiedergefunden Blues und einem neuen Album.
Piazza Blues Festival in Bellinzona, Ende Juni 2003: Die internationale Bluesszene trifft sich. Schweizer Bands sind an dieser Bluesfete selten, mindestens auf der Hauptbühne. Doch dieses Jahr gibt es für den Thuner Blueser Philipp Fankhauser wegen einer kurzfristigen Annullation eines amerikanischen Acts die Gelegenheit einzuspringen. Und der vermeintliche Lückenbüsser mausert sich gar zum Höhepunkt des Abends, der immerhin mit Cracks wie Lucky Peterson gut besetzt ist. Philipp Fankhauser bestätigt mit seinem Auftritt und einem neuen Album, dass der vor fast zwei Jahren eingeschlagene Weg der richtige war.
Umweg
Es ist ein langer Weg, den der Thuner Blueser Philipp Fankhauser zurückgelegt hat, um zu seinem Blues zurückzufinden. Er hat Höhen und Tiefen einer Blueskarriere erlebt. Mit der Checkerboard Blues Band konnte er einst beachtliche Erfolge buchen. Doch trotzdem hat es ihn weiter getrieben, gar bis in die USA, wo ihm allerdings der Durchbruch verwehrt blieb. Der Spott und die Häme der Besserwisser waren ihm gewiss.
Doch die Hartnäckigkeit ist ihm nicht vergangen. Er hat seine Karriere im Trio neu lanciert. Er hat an der Besetzung der Band und an seinem Gitarrenspiel gearbeitet. Er hat mit der Realisierung der längst geplanten Live-CD gewartet, bis er und seine beiden Mitmusiker, der langjährige Checkerboard Drummer Tosho Yakkatokuo und der Bassist Richard Cousins, so klangen, wie er es wollte.
Das Wesentliche
Auf seinem neuen Album "Live - So DamnCool" (Funkhouseblues/Musikvertrieb) entdeckt er seine Ursprünge in den Klassikern, die am Anfang seiner Karriere standen.
Gerade mit der Reduktion auf das Wesentliche, mit der Rückkehr zur akustischen Gitarre und mit Blues nach alter Art macht er einen grossen Schritt vorwärts. Denn derart überzeugend und eigenständig wie auf dem neuen Album, live aufgenommen in der Mühle Caci's in Grosshöchstetten im vergangenen März, war Philipp Fankhauser noch nie.
Zwar mag es auf ersten Blick etwas befremden, wenn einer nach Jahren im Bluesbusiness mit altbekannten Klassikern wie "That's Alright" und "Key To The Highway" aufwartet. Doch die Zweifel verfliegen rasch. Gelingt ihm doch das Kunststück diese Titel durch seine Biographie zu "seinen" Songs zu machen. Denn die Auswahl der Songs erzählt von seinen ersten Blueserfahrungen, von seinen Idolen und Lehrmeisterinnen wie Johnny Clyde Copeland und Margie Evans. Auch seine Entwicklung als Songwriter findet ihren Niederschlag: Vom neu aufgenommen "Dedicated", das noch voller Bewunderung für die Grossen ist bis zum neuen "Life's So Damn Cool", das zur persönlichen Hymne wird, ist es ein weiter Weg zur Selbstständigkeit.
Und was für eine Blues-Philosophie dahinter steckt erklärt Philipp Fankhauser berndeutsch auf dem Album während dem Intro zum Klassiker "Baby Please Don't Go". Mit dem Routinier Richard Cousins kann er erstmals den Song spielen, wie er ihn von Lightnin' Hopkins gehört hat. Der Song passt in kein Korsett, das durch die Theorie bestimmt ist. Und was nach Lehrbuch falsch sein sollte, ist im Blues richtig.
Simon Johner
www.derbund.ch
